Verhaltenskodex

Grundhaltung

Im Verein Kita Baden/Wettingen werden sexuelle Übergriffe gegen Kinder durch Mitarbeitende und unter den Kindern in keiner Weise toleriert.

Die Mitarbeitenden des Vereins wissen Bescheid über die Problematik von Grenzverletzungen und sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen und unternehmen alles, um Grenzverletzungen und Übergriffe zu verhindern.

Die nachfolgenden Verhaltensregeln dienen einerseits dazu, die uns anvertrauten Kinder in ihrem Verhalten zu stärken und sie vor Übergriffen zu schützen. Anderseits wollen wir unsere Mitarbeiterinnen vor unangebrachten Anschuldigungen bewahren.

In der täglichen Arbeit mit den Kindern gelten im Verein Kita Baden/Wettingen Regeln, die von allen Mitarbeiterinnen zu beachten sind.

Dieser Verhaltenskodex ist als Ergänzung zum Kinderschutz Konzept des Vereins Kita Baden/Wettingen gedacht, als Richtlinien im Alltag. Mitarbeiterinnen des Vereins Kita Baden/Wettingen müssen sich mit den Verhaltensregeln auseinander setzen, diese diskutieren und allenfalls ergänzen.

Grundlage

Als Grundlage für die internen Regeln gilt das von der Fachstelle Limita, Zürich, ausformulierte 7-Punkte Präventionsmodell.

  • Dein Körper gehört Dir!
    Förderung eines positiven Körperbewusstseins.
  • Deine Gefühle sind wichtig!
    Förderung der Gefühlswahrnehmung und der Möglichkeiten, Gefühle auszudrücken.
  • Angenehme und unangenehme Berührungen
    Benennung und Unterscheidung von Berührungen, Informationen über sexuelle Übergriffe und Gewalt.
  • Das Recht auf NEIN!
    Förderung der Wahrnehmung und Einhaltung bzw. Verteidigung der Grenzen.
  • Gute und schlechte Geheimnisse
    Unterscheidung zwischen guten und schlechten Geheimnissen und Aufforderung schlechte Geheimnisse weiterzuerzählen.
  • Das Recht auf Hilfe
    Entwicklung von Hilfsstrategien und Informationen über Hilfsangebote.
  • Du bist nicht schuld!
    Klare Zuordnung der Verantwortung für sexuelle Übergriffe und Gewalt an die erwachsenen oder jugendlichen Täter.

Diese Grundlagen vermitteln wir in unserer täglichen Arbeit mit den uns anvertrauten Kindern.

Position der Kinderkrippe

Die Mitarbeitenden kennen die relevanten Artikel aus dem Schweizer Strafgesetzbuch (insbesondere Art. 187 und 188 StGB, vgl. Anhang 1). Sie sind sich bewusst, dass das Herunterlanden, Produzieren und Weiterleiten/Verkaufen kinderpornographischen Materials Straftatbestände darstellen und rechtliche Konsequenzen haben; auch wenn dies ausserhalb der Kita geschieht und ebenfalls wenn andere als die ihnen anvertrauten Kindern davon betroffen sind.

Die Mitarbeitenden sind sich bewusst, dass bei Zuwiderhandeln gegen die Gesetze und gegen diese Verpflichtungserklärung strafrechtliche Schritte eingeleitet werden.

Haltung der Mitarbeitenden

Die Mitarbeitenden des Vereins Kita Baden/Wettingen sind dem Schutz und dem Wohlergehen der ihnen anvertrauten Kinder verpflichtet.

Die Mitarbeitenden überschreiten die Grenzen der noch tolerierbaren Nähe nicht und wahren die nötige Distanz zu den Kindern. Die Verantwortung liegt immer bei den Erwachsenen. Das Recht der Kinder auf Integrität, Privat- und Intimsphäre wird nicht verletzt. Die Mitarbeitenden halten auch dann die nötige Distanz ein, wenn Impulse allenfalls von Kindern ausgehen.

In Situationen, die Körperkontakt und körperliche Hilfestellungen erfordern, gelten spezielle Regeln (siehe Verhaltensregeln in der täglichen Arbeit).

Private Beziehungen zwischen Kindern und Mitarbeitenden sind Kontakte ausserhalb des Arbeitsauftrages. Private Beziehungen (auch auf Internetplattformen wie z.B. Facebook) sind mit der professionellen Grundhaltung unvereinbar. Es besteht die Gefahr, dass private Interessen und Beruf vermischt werden. Darum werden die uns anvertrauten Kinder nicht privat gehütet.

Handeln bei Verdacht auf sexuelle Übergriffe / bei sexuellen Übergriffen

Die Kitaleitung zu informieren hat nichts mit Denunziantentum zu tun, sondern mit Engagement zu Gunsten der Rechte und des Wohlergehens von Kindern, die Opfer von Übergriffen, unter anderem vor allem von sexuellen Übergriffen, geworden sind.

Erhalten Mitarbeitende Kenntnisse von Übergriffen oder von sexueller Ausbeutung gegenüber Kindern, verpflichten sie sich diese Information an die Kitaleitung weiterzuleiten. Im Konzept: Kinderschutz werden verschiedene Varianten aufgezeigt.

Das gleiche gilt auch in Verdachtssituationen und unabhängig davon, ob die Täterschaft zu den Mitarbeitenden gehört, ein anderes Kind ist, eine Person aus dem Umfeld des Kindes oder allenfalls eine unbekannte Person ist.

Grundsätzlich informiert die Leitung in jedem Fall die Interventionsgruppe. Diese planen weitere Schritte und nehmen Kontakt zu Fachstellen und Behörden auf.

Das direkte Ansprechen des Problems mit den angeschuldigten Personen wird genauso vermieden wie das direkte Ansprechen des als Opfer bezeichneten Kindes.

Äussert sich ein Opfer direkt bei einer Betreuungsperson, wird dem Kind direkt erklärt, dass diese Information an die Leitung der Kita weiter geleitet werden muss.

Prävention in der täglichen Arbeit - Verhaltensregeln

Der Verein Kita Baden/Wettingen legt grössten Wert auf einen natürlichen und herzlichen Umgang mit den Kindern. Das Berühren und Trösten von Kindern ist selbstverständlich. Gleichzeitig vermitteln wir den Kindern das Recht auf Ablehnung von ungewolltem Körperkontakt und akzeptieren diesen. Jegliche sexuelle Handlungen oder sexuell motivierte Berührungen mit oder an den Kindern werden als sexuelle Ausbeutung gewertet und sind strikt untersagt.

Die nachfolgenden Verhaltensregeln sollen die Mitarbeiterinnen nicht verunsichern. Sie sind dazu da, dass sich in der Gruppe eine vertrauensvolle, liebevolle und offene Atmosphäre entwickeln kann.

Die Absicht der Handlungen muss transparent und pädagogisch nachvollziehbar sein. Klare Regeln und eine gute Grundhaltung vermitteln gute Sicherheit.

Kommunikation mit den Eltern
Der Informationsaustausch mit den Eltern ist wichtig. Die Gruppenleiterin informiert die Eltern laufend über Aktuelles. Eine offene Kommunikation kann offene Fragen und Unsicherheiten ausschliessen.

Zusammenarbeit mit den Eltern
Die Eltern werden über spezielle Vorkommnisse informiert, z.B.

  • Das Kind wollte mit einer Mitarbeiterin alleine spielen.
  • Das Kind wollte sich nur von einer bestimmten Mitarbeiterin wickeln lassen.

Interne Kommunikation auf den Gruppen
Die Mitarbeiterinnen informieren sich gegenseitig bei Gruppenübergabe oder bei Sitzungen, welche Tätigkeiten sie mit den ihnen anvertrauten Kinder unternehmen.

Räume
Räume, in denen sich Betreuungspersonen mit Kindern aufhalten, dürfen nicht abgeschlossen werden, sodass sie jederzeit von aussen zugänglich sind.

Ausflüge
Die Eltern werden informiert, wohin die Reise geht und wie lange diese dauert.

Frühdienst/Spätdienst
Es kann vorkommen, dass Früh- oder Spätdienste von einer Mitarbeiterin alleine geleistet werden. Die Türen zu den Gruppenzimmern bleiben offen. Leitung und Eltern sind informiert.

Nähe und Distanz
Die Verantwortung zwischen Nähe und Distanz liegt immer bei den Mitarbeitenden. Die Grenzen müssen jederzeit gewahrt werden.

Auf den Schoss sitzen
Die Kinder dürfen auf dem Schoss der Betreuerin sitzen, wenn diese es bejaht und die Kinder es von sich aus wollen.

Küssen von Kindern
Den Mitarbeitenden ist das Küssen von Kindern untersagt.

Sprache
Die Geschlechtsteile werden korrekt und einheitlich benannt. Die Krippe einigt sich auf Begrifflichkeiten und kommuniziert diese den Eltern.

Folgende Wörter werden verwendet: Penis, Scheide und „Fudi“. Abweichende umgangssprachliche Wörter korrigieren wir bei den Kindern nicht. Wir korrigieren jedoch die vulgären Ausdrücke.

Anzügliche sowie sexuelle Reden sind untersagt.

Einzelbetreuung
Betreut eine Betreuungsperson ein einzelnes Kind, geschieht dies immer in Absprache mit weiteren Mitarbeitenden. Der Gruppenleitung obliegt die Kontrolle, ob die Verhaltensregeln eingehalten werden.

Wickeln
Wenn gewickelt wird, wird eine Mitarbeitende informiert. Die Kinder werden nur von einer Bezugsperson gewickelt (keine Schnupperinnen). Die Türe zum Wickelraum bleibt offen. Das Eincremen im Intimbereich gehört zum Wickeln.

Gang aufs WC
Das Kind wird nur begleitet, wenn es Hilfe benötigt. Dies wird mit den Eltern abgesprochen. Dabei lässt man die Türe einen Spalt offen.

Fiebermessen
Wenn immer möglich wird das Fieber im Ohr gemessen. Muss das Fieber rektal (After) gemessen werden, wird dies von einer ausgelernten Person übernommen, andere Anwesende werden informiert. Lernende messen nur unter Aufsicht. Das Vorgehen wird mit den Eltern (Eintrittsgespräch) abgesprochen; sie sind informiert.

Mittagsschlaf und Übernachten
Beim Einschlafen der Kinder sind zwei Mitarbeitende im Schlafzimmer anwesend, sollte dies nicht möglich sein, muss das Babyphone eingestellt werden und an der Schlafzimmertüre hängt das Foto der betreuenden Person. Auch werden in diesen Fällen regelmässig Kontrollgänge von anderen Mitarbeitenden gemacht.

Das Kind darf an den Händen, am Kopf, Rücken oder Bauch gestreichelt werden, wenn das Kind es zum Einschlafen ausdrücklich wünscht. Das Kind hat immer einen Body oder Shirt an. Die Betreuerin liegt nicht neben die Kinder, sondern setzt sich neben sie hin. Die gleichen Regeln gelten, wenn die Kinder ausnahmsweise in der Kinderkrippe übernachten.

Baden
Wird im Sommer im Garten gebadet oder gespielt, tragen die Kinder Badekleider oder Windeln.

Die Kinder werden nur in Ausnahmefällen oder im Zusammenhang mit der Ausbildung (FABE) im Haus gebadet/geduscht - nach Absprache mit der Gruppenleitung und evtl. auch mit den Eltern und in Anwesenheit einer zweiten Person. Das Baden/Duschen muss begründet sein. Wenn ein Kind bis oben voll Stuhlgang ist, darf eine Mitarbeitende ohne Anwesenheit einer zweiten Person bei offener Türe das Kind abduschen. Zuvor wird die Gruppe informiert. Bei Urin reicht eine Reinigung mit dem Wachlappen. Auch hier ist die Türe offen.

Spaziergänge
Eine Betreuungsperson geht nie alleine mit einem Kind auf einen Spaziergang. In der Regel werden die Spaziergänge als Gruppe absolviert. In Ausnahmefällen nimmt die Betreuungsperson mindestens zwei Kinder mit. Das Ziel des Spazierganges ist bekannt und der Krippen- bzw. Gruppenleitung mitzuteilen.

Wickeln im Freien
Bei Ausflügen kann es vorkommen, dass man ein Kind im Freien wickeln muss, weil keine dafür bestimmten Wickelorte vorhanden sind (Wald etc.), auch dort die Intimsphäre des Kindes schützen. Kinder werden von fremden Blicken geschützt gewickelt. Mit Decken oder Tücher das Blickfeld abdecken.

Aufklärung
Es ist nicht Aufgabe der Mitarbeitenden, die Kinder aufzuklären. Stellen die Kinder konkrete Fragen, werden diese altersgerecht beantwortet und die Eltern anschliessend informiert.

Fotografieren
Von den Kindern werden lediglich für berufliche Zwecke Fotos gemacht (z.B. Dokumentation von Unterlagen). Das Verwenden für private Zwecke ist untersagt (Handy, PC, Facebook, etc.). Die Eltern sind über den Verwendungszweck orientiert und haben ihr Einverständnis gegeben (Betriebsreglement). Die Mitarbeiterinnen sind verpflichtet, wenn Aussenstehende Fotos von den Kindern machen (z.B. in der Stadt, während einem Spaziergang), diese aufzufordern, die Fotos zu löschen.

Geschenke
Geschenke von Mitarbeitern an Kinder sind im Team abzusprechen und dürfen eine der professionellen Beziehung entsprechende Grösse nicht überschreiten.

„Dökterle“
Das Entdecken des eigenen Körpers gehört zur normalen Entwicklung eines Kindes. Das Spiel wird zugelassen und soll an einem dafür bestimmten Ort stattfinden. Es ist ein Spiel zwischen Kindern. Es gelten folgende Regeln für „Doktorspiele“:

  • Jedes Kind bestimmt selbst mit wem es Doktor spielen will.
  • Mädchen und Jungen streicheln und untersuchen einander nur so viel, wie es für sie selbst und die anderen Kinder schön ist.
  • Kein Mädchen/Junge tut einem anderen Kind weh!
  • Niemand steckt einem anderen Kind etwas in den Po, in die Scheide, in den Penis, in den Mund, in die Nase oder ins Ohr.
  • Grössere Kinder (mehr als zwei Jahre Altersunterschied), Jugendliche und Erwachsene haben beim Doktorspiel nichts zu suchen.
  • Hilfe holen ist mutig und kein Verrat oder Petzen.
  • Unterhosen werden anbehalten.

Erwachsenen nehmen nicht teil an den kindlichen Handlungen. Das Spiel wird unauffällig beobachtet. Bei Verletzungen der obenstehenden Regel wir eingegriffen. Wir erklären den Kindern unmissverständlich, dass dies „kein richtiges Doktorspiel“ mehr ist. Wir geben den Kindern damit eine Orientierungshilfe, was wir nicht möchten und benennen dies. Vorfälle dieser Art werden vermerkt.

Konzept Kinderschutz

Im Kinderschutzkonzept des Vereins Kita Baden/Wettingen sind detailliert beschrieben:

  • Formen von Übergriffen
  • Interventionsgruppe
  • Ablauf bei einem Vorkommnis
  • Information
  • Prävention
  • Prävention beim „Dökterlen“ – Sexuelle Übergriffe unter Kindern
  • Verhaltenskodex zur Unterschrift aller Mitarbeiter
  • Anhang 1 – Schweizerisches Strafgesetzbuch
  • Anhang 2 – Meldungsbogen
  • Anhang 3 – Meldungsbogen Kindsgefährdung
  • Anhang 4 – Register Fachstellen